20 Jahre Vollkern - Einfach voll kernig!

Rohrlack - Ihr 20jähriges Bestehen feierte die Bäckerei Vollkern am 24. Februar mit rund 80 geladenen Gästen und einem buntem Programm. Es war „einfach voll kernig“, wie es ein Slogan der Bäckerei auf den Punkt bringt. Gegründet im Jahr 2000, verließen die Backstube anfänglich 40 Brote pro Schicht. Heute sind es 800 Stück, für die 14 Tonnen Getreide pro Monat verarbeitet und ein Jahresumsatz von 1,6 Millionen Euro erzielt werden.

Volker Apitz rechts mit Blumen

Anlässlich des Jubiläums wurde Geschäftsführer Volker Apitz von Angelika Esser interviewt:

AE: Beschreib mal das Gefühl wie es ist, einen so erfolgreichen Betrieb aufgezogen zu haben.

VA: Mmh, da ist kein Gefühl. Ich mache mein Tagesgeschäft. Es war nie mein Ziel, einen 'erfolgreichen Betrieb aufzuziehen'. Von daher habe ich nicht sowas wie eine 'Ziel-Erreicht-Befriedigung'. Ich wollte immer nur Brot backen, das Menschen schmeckt, ihnen guttut und sich sinnvoll in die Kreisläufe einfügt: Bauer-Bäcker-Verbraucher;  aus der Region - für die Region; lokale Menschen suchen sinnvolle lokale Arbeit usw. Ich bin froh und dankbar, dass ich damit meine Familie ernähren kann, dass meinen Kindern (fast) alle Möglichkeiten offen stehen. Dass ich meinen Mitarbeitern gegenüber ein gutes Gewissen habe.

AE: Was waren seit Gründung die größten Herausforderungen?

VA: Die Personalarbeit. Immer und immer wieder. Es ist schön, dass sich Menschen hier wohlfühlen und gern zur Arbeit kommen. Aber für mich immer wieder schwierig ist es, wenn sich Konflikte auftun. Und das passiert ja immer wieder. Und es ist immer wieder eine Herausforderung.

AE: Was ist das Geheimrezept deines Erfolgs mit Vollkern?

VA: Meine Rezepte? Intern  ist das Wichtigste, dass die Mitarbeiter eine sinnvolle, ausfüllende, befriedigende Arbeit machen. Was das ist, ist eigentlich egal. Es muss für den Menschen passen. Und extern: Den Kunden den bestmöglichen Service anbieten. Transparent sein. Erreichbar sein. Bei uns geht es um Backwaren. Aber in dieser Hinsicht ist das Produkt eigentlich austauschbar. Aber ob das alles für den Erfolg ausschlaggebend ist, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es das, aber sicherlich nicht allein.

AE: Wer war dein erster Kunde und wie hast du dir deine Vertriebsstruktur aufgebaut?

VA: Meine ersten Kunden waren der Landkorb in Rohrlack und der Neuruppiner Naturkostladen Grünkern. Und dann habe ich weiter in Berlin gefragt und immer mehr Läden gewonnen: Doppelkorn in Heiligensee, Lylla Dankbar am Klausener Platz, Schrot & Korn am Walther-Schreiber-Platz. Diese drei gibt es schon nicht mehr. Zu Beginn war das auch mit Klinkenputzen verbunden. Relativ bald wurden wir aber angefragt und haben bloß noch reagiert.

AE: Wie lange ging es, bis du profitabel backen konntest?

VA: Da ich zu Beginn alles selbst gemacht habe, also Backen und Ausfahren, und nur nach Bedarf die Leute eingestellt habe, ging das relativ bald. Ich glaube bereits im ersten Jahr. Richtig davon leben, ohne Sozialzuschüsse, konnten wir als Familie glaube ich ab 2003.

AE: Soll der Betrieb weiter wachsen, vergrößert ihr euch? Oder gibt es andere Ziele von denen du berichten möchtest?

VA: Der Betrieb soll nicht weiter wachsen. Wir haben hier im Zentrum eines 150-Seelen-Dorfes eine Größe erreicht, die einmal vom Gebäude begrenzt wird und zum anderen durch die soziale Belastung an die Grenzen gekommen ist. Wir machen Lärm, auch in der Nacht. Manche mögen den permanenten Brotgeruch nicht bzw. stören sich daran, dass rund um die Uhr gebacken wird. An eine Auslagerung ist nicht gedacht. Wir möchten nicht reine 'Produktion' werden, sondern den handwerklichen Charakter behalten. Die nächsten Ziele sind, dass wir in unserer Kreisstadt Neuruppin präsenter werden möchten. Mit vielleicht zwei Filialen, wo direkt vor der Kundschaft gebacken wird. Mit kleinem Café (wenn sowas demnächst noch erlaubt ist ;-)

AE: Wo ließe sich die regionale Wertschöpfung für Euch noch verbessern? Gibt es etwas, was du dir vom Märkischen Wirtschaftsverbund noch mehr wünschst für die Zukunft?

VA: Aus meiner Sicht wird alles getan. Wir loben die Regionalität aus und dies wird von der Kundschaft auch wahrgenommen. Sowas wie ein Marktplatz wäre noch gut. Wo Bauern ihre Ware anpreisen können, die sie noch loswerden wollen.

AE: Danke für das Interview!